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Die Frösche und die Schlange
Im Zorn gab ihnen Jupiter eine Schlange,welche ihre Regierung auch sofort mit aller Strenge anfing undeinen Untertanen nach dem andern verschlang. Bald blieb dem Überrestnichts übrig, als nochmals um einen andern Oberherrn zu bitten;allein Jupiter sprach mit Donnerstimme: "Euch ist geschehen,wie ihr wolltet! Ertragt nun dies Unglück mit Fassung!" Der Unzufriedene lernt immer zu spät,daß das Alte besser war. Der Adler und der Fuchs
Als der Fuchs einmal des Abends auf Raub ausging, und derAdler gerade diesen Tag über aus Mangel an Beute mit seinenJungen hatte fasten müssen, so glaubte er, der Hunger hebejede Rücksicht der Freundschaft auf, stürzte sich aufdie Füchschen, trug sie in seinen Horst und verschlang siemit seinen Jungen; ein leckeres Mal für sie und ihn! Kaumwar der Fuchs zurückgekehrt, als er auch seine Jungen vermißteund den Frevel sogleich ahnte. Ergrimmt über diese Verletzung der Freundschaft undvon seinem Schmerz getrieben, stieß er eine Flut von Schmähungengegen seinen früheren Freund, der nun sein heftigster Feindgeworden war, aus, weil er sonst kein Mittel sah, sich zu rächen- und flehte den Zorn der Götter auf den Adler herab. Ruhig, mit höhnischer Miene, schaute der Adler aufden erbitterten Fuchs und ahnte nicht, daß so bald die verdienteStrafe folgen würde. In der Nachbarschaft war nämlich ein Fest, und dieLandleute opferten ihren Göttern. Als die Eingeweide angezündetwurden, flog der Adler hinzu, raubte nach seiner Gewohnheit einStück und trug es in sein Nest. Allein ohne sein Wissen warglimmende Asche an diesem Stück hängengeblieben; seinHorst fing schnell Feuer, und da gerade ein heftiger Sturm wütete,so war das Nest bald von den Flammen verzehrt; die halbgebratenenJungen fielen herab, und der Fuchs verzehrte sie vor den Augendes Adlers. Das Lamm und der WolfEin Lämmchen löschtean einem Bache seinen Durst. Fern von ihm, aber näher derQuelle, tat ein Wolf das gleiche. Kaum erblickte er das Lämmchen,so schrie er:"Warum trübst du mir dasWasser, das ich trinken will?" "Wie wäre das möglich",erwiderte schüchtern das Lämmchen, "ich stehe hierunten und du so weit oben; das Wasser fließt ja von dirzu mir; glaube mir, es kam mir nie in den Sinn, dir etwas Böseszu tun!""Ei, sieh doch! Du machst esgerade, wie dein Vater vor sechs Monaten; ich erinnere mich nochsehr wohl, daß auch du dabei warst, aber glücklichentkamst, als ich ihm für sein Schmähen das Fell abzog!" "Ach, Herr!" flehte daszitternde Lämmchen, "ich bin ja erst vier Wochen altund kannte meinen Vater gar nicht, so lange ist er schon tot;wie soll ich denn für ihn büßen.""Du Unverschämter!"so endigt der Wolf mit erheuchelter Wut, indem er die Zähnefletschte. "Tot oder nicht tot, weiß ich doch, daßeuer ganzes Geschlecht mich hasset, und dafür muß ichmich rächen."Ohne weitere Umstände zu machen,zerriß er das Lämmchen und verschlang es.Das Gewissen regt sich selbst beidem größten Bösewichte; er sucht doch nach Vorwand,um dasselbe damit bei Begehung seiner Schlechtigkeiten zu beschwichtigen. Der Fuchs und der StorchEin Fuchs hatte einen Storch zu Gaste gebeten, und setztedie leckersten Speisen vor, aber nur auf ganz flachen Schüsseln,aus denen der Storch mit seinem langen Schnabel nichts fressenkonnte. Gierig fraß der Fuchs alles allein, obgleich erden Storch unaufhörlich bat, es sieh doch schmecken zu lassen.Der Storch fand sich betrogen, blieb aber heiter, lobteaußerordentlich die Bewirtung und bat seinen Freund aufden andern Tag zu Gaste. Der Fuchs mochte wohl ahnen, daßder Storch sich rächen wollte, und wies die Einladung ab.Der Storch ließ aber nicht nach, ihn zu bitten, und derFuchs willigte endlich ein. Als er nun anderen Tages zum Storche kam, fand er alle möglichenLeckerbissen aufgetischt, aber nur in langhalsigen Geschirren."Folge meinem Beispiele", rief ihm der Storch zu, "tue,als wenn du zu Hause wärest." Und er schlürftemit seinem Schnabel ebenfalls alles allein, während der Fuchszu seinem größten Ärger nur das Äußereder Geschirre belecken konnte und nur das Riechen hatte.Hungrig stand er vom Tische auf und gestand zu, daßihn der Storch für seinen Mutwillen hinlänglich gestrafthabe. Was du nicht willst, daß man dir tu',Das füg' auch keinem anderen zu. Der Eber und der Fuchs
Bereite dich im Glück auf das künftige Unglück;sammle und rüste in guten Tagen auf die schlimmern. Der Esel und das Pferd
Allein nach einigen Monaten erblickte er dasselbe Pferd lahmund abgezehrt an einem Karren. "Ist dies Zauberei?"fragte er. "Beinahe", antwortete traurig das Pferd;"eine Kugel traf mich, mein Herr stürzte mit mir undverkaufte mich zum Dank um ein Spottgeld; lahm und kraftlos, wieich jetzt bin, wirst du gewiß nicht mehr mich beneiden undmit mir tauschen wollen." Wie oft das größte GlückZerstört ein Augenblick! Der Adler und die Dohle
Als der Hirte sie zappeln sah, haschte er sie, beschnittihr die Flügel und nahm sie seinen Kindern zum Spielzeugmit."Ei! Ei!" riefen hocherfreut die Knaben, "wienennt man diesen Vogel?" "Vor einer Stunde noch",antwortete der Vater, "hielt er sich für einen Adler,mußte aber bald einsehen, daß er nur eine elende Dohleist." Wage dich nicht an Dinge, die deine Kräfte übersteigen;es gibt sonst zum Schaden noch Spott. Der Adler und die SchildkröteEine Schildkröte bat einen Adler, ihr Unterricht im Fliegenzu geben. Der Adler suchte es ihr auszureden, aber je mehr ersich bemühte, ihr das Törichte ihres Wunsches klarzumachen,desto mehr beharrte sie darauf.Ihrer dringenden Bitten müde, nahm der Adler sie endlichin die Luft und ließ sie ungefähr turmhoch herabstürzen;zerschmettert lag sie auf der Erde und mußte so ihre Torheitbüßen. Trachte nicht nach Dingen, die die Natur dir versagt hat;was die Natur versagt, kann niemand geben. Der Wolf und der Kranich
Hilf gern in der Not, erwarte aberkeinen Dank von einem Bösewichte, sondern sei zufrieden,wenn er dich nicht beschädigt. |
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